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Rochus-Pesttafel

Pesttafel an der St.-Marien-Kirche

Fünf Brüder und zwi Schwesterlein

Allhie in der Pest begraben sein.

Deren Selen der almechtig Gottes Sohn

Wolt fhürn in sein himlichen Thron.

Undt fröhlich Aufferstendnus geben

Darzu schencken das ewige Leben.

Deshalb dem Priester ewich fundirt.

Jaerlich fünf Thaler zu heben legirt.

Zeien Thaler Wandt den Armen zwar

Wan sie den Gottsdienst verrichtet ghar.

Den 12 Octobris merck eben

Sie Geldt undt Wandt sollen erheben.

Soli Deo Gloria

In sechs Mondten itziger Pest 375

Drei hundert siebentzig fünnf Todten gewest.

Ein Bericht über die Pest von 1618

Im Jahre 1618 ist zu Beginn des Monats Juni die Pest eingefallen. Ein Jude, Sostmann genannt, hat sie mitgebracht, er ist auch daran gestorben. Darauf haben der Rentmeister Ludolph Meyer und der Rat angeordnet, dass die Jüdin mit ihren Kindern aus der Stadt in den „Knick" vor dem Hollenberg fortgeschafft werden sollte. So geschah es dann auch. Dort wurde ihr eine Hütte gebaut, hier ist ihr auch eine Tochter gestorben.

Nachdem diese Tochter nun in einem gewöhnlichen Begräbnis beerdigt wurde, hat die genannte Jüdin mit dem Namen Judith ohne Erlaubnis die Hütte verlassen und ihr Lager vor dem „Niederen Tore" bei der „Langen Brücke" aufgeschlagen. Das Gesindel der Stadt wollte sich nicht weisen lassen und ging ungehindert zu ihr hin.

Darum befahl der Rat, dass es der Jüdin wieder erlaubt sein solle, in ihr Haus in der Stadt zu gehen, jedoch mit dem Befehl, dass sie immer im Hause bleiben solle. Das Essen und Trinken solle ihr von anderen Juden vors Haus gebracht werden.

Obwohl nun die giftige Pest nach vier Wochen aufgehört hat, so ist die Stadt abermals mit dem Gift der Pest angesteckt worden.

Sie begann am „ Niederen Tor", bei der Witwe von Diderichs Pollmann, die der Jüdin gegen den Willen des Rats mit Waschen und sonstigen Dingen geholfen hatte. Hierdurch ist die Stadt abermals angesteckt worden.

Darum ist der Rentmeister Ludolph Meyer mit seiner Frau, Sohn und drei Töchtern auf Anraten des hochwohlgeborenen Herrn von Donop, gräflich lippischer geheimer Rat und Droste zu Wöbbel, nach Blomberg gereist. Hier hatte ihm der Droste einen Platz im Kloster eingeräumt. Dies geschah am 25. Juni 1618, in dieser „Verbannung" blieb er bis zum 28. September.

Während dem Aufenthalt ist dem Rentmeister dort eine Tochter verstorben. Die Blomberger wollten sie nicht begraben, ja, sie haben sogar denjenigen, der den Sarg gemacht hatte mit den Worten ausgeschimpft, ob er nichts anderes zu tun hätte, als den „ pestilenten" Leuten Särge zu machen. Daher mussten der Rentmeister nebst seiner Frau und Sohn die Leiche selber in den Sarg legen und zunageln. In aller Stille wurde die Tote von fremden Leuten durch die Klosterkirche getragen und begraben. Im Monat September hat sich der Rentmeister wieder nach Steinheim begeben.
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