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Datum: 11.01.2022

Die erste erhaltene Stadtkarte von Steinheim

Archivalie des Monats Januar
Das Kataster zeigt das Stadtgebiet von Steinheim um 1829 mit dem Rathaus und der katholischen Kirche in der Mitte. Die Parzellen sind eingezeichnet und die Bebauung rot markiert.
Stadtkarte Urkaster Flur X

„Steinheim liegt in einem schönen Tale und zeichnet sich durch Reinlichkeit in den gepflasterten Straßen und eine größere Ordnung in der Reihenfolge der Häuser aus“ so beschrieb der in Paderborn tätige Kriegs-­ und Domänenrat Philipp von Pestel im Jahre 1803 unsere Stadt. Zu dieser Zeit hatte Steinheim 1.326 Einwohner und 269 Häuser, jedoch noch kein amtlich aufgestelltes Kataster, welches die Grundstücke einer Gemeinde maßstabsgetreu verzeichnete. Dieses sollte sich aber bald ändern. Bei der Neugestaltung Europas auf dem Wiener Kongress hatte Preußen 1815 große Gebiete im Westen erhalten, darunter die Provinz Westfalen, zu der auch Steinheim gehörte. Hier gab es zwar Grundsteuersysteme, die jedoch oft ohne Vermessung und ohne Kartenwerk aufgestellt worden waren. So beschloss der preußische Staat für eine gerechte Steuererhebung seine neuen Gebiete genauer zu erfassen und nach französischem Vorbild ein landesweit einheitliches Kataster mit Vermessung aller Grundstücke erstellen zu lassen, und im Juli 1829 hatte der Geometer Hüser die Erfassung der Straßen und Grundstücke von Steinheim im sogenannten Urkataster (Flur X) abgeschlossen, wie es der Stempel im Originaldokument zeigt.

Der Stempel trägt die Beschriftung: Gemeinde Steinheim, Flur X, Steinheim, in einem Blatte im Maßstab 1 zu 1250, aufgenommen im Juli 1829 unter leitung des Catografie Geometers Hüser.
Stempel auf dem Urkataster

Als Urkataster wird allgemein das erste Verzeichnis von Grundstücken, Besitzrechten oder zu leistenden Abgaben bezeichnet, wobei das Wort „Kataster“ aus dem Griechischen „Katastichon“ stammt, was „Liste“ oder „Register“ bedeutet. Nach Abschluss der Vermessung und Beurteilung wurden die Ergebnisse den Eigentümern bekanntgegeben. Bei Einwendungen erfolgte eine erneute Vermessung, deren Kosten der Eigentümer bei Richtigkeit des Katasters selbst tragen musste, oder aber eine neue Einschätzung. Einer der wichtigsten Aufgaben war die Berechnung der Grundsteuer, die sich aus den dort niedergelegten Vermessungen ergab. Steuerfrei hingegen waren beispielsweise Staatsgrundstücke, Dienstwohnungen von Beamten, Soldaten, Lehrern und Geistlichen sowie dem Gottesdienst dienende Grundstücke. Nach der Aufstellung wurde das Kataster kontinuierlich fortgeschrieben oder bei Bedarf erneuert.

Wenn wir uns das Urkataster von Steinheim etwas genauer anschauen, dann ist die ursprüngliche Anlage des Stadtkerns mit Wallmauer und Toren noch gut erkennbar. Als Steinheim 1275 die Stadtrechte erhielt, wurden die Bürger verpflichtet, ihre Stadt zu befestigen. Sie errichteten daraufhin eine Wallmauer mit Türmen und Toren. Von den drei im Jahre 1829 vorhandenen Toren führten jeweils die Straßen direkt auf den zentralen Kirchplatz mit der Kirche. Das Rathaus stand damals noch mitten auf dem Marktplatz (oberhalb des Buchstabens I von STEINHEIM auf der Karte), von dem aus die Marktstraße zum westlichen Tor führte. Bei der Niederen Thor Straße handelt es sich um die heutige Höxterstraße, die zum östlichen Tor führte, und die Straße, die zum südlichen Tor führte, ist die jetzige Detmolder Straße. Heutige Straßennamen wie „Wallstraße“ oder „Hinter der Mauer“ markieren dabei den früheren Verlauf dieser alten Stadtmauer und die Grenzen des einstigen historischen Stadtkerns. Überreste des alten Stadtwalls sind noch in dem Abschnitt der Straße „Hinter der Mauer“ / Ecke „Detmolder Straße“ und „Anton-­Spilker‐Straße“ zu besichtigen, wie überhaupt ein Rundgang durch die schmale Straße „Hinter der Mauer“ dem heutigen Besucher einen kleinen atmosphärischen Blick in das Steinheim von 1829 vermitteln kann.

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