Rochusstatue

Das Leben des heiligen Rochus (1)

 

Zu ihm hoben die Menschen des Mittelalters hilfesuchend die Hände, wenn die Pest umging und die Menschen ergriff. Mit dem Öl aus den Lampen, die vor seinem Bilde brannten, salbte man die Beulen und Geschwüre der Pestkranken. Bei Bittprozessionen trug man seine Reliquien durch die verseuchten Gassen. Fast  immer ereignete sich das Wunder, dass vom selben Tag an niemand mehr den Pesttod starb und die Massengräber geschlossen werden konnten. Die Bischöfe des Konstanzer Konzils, die seinen Schutz sichtbar erfahren hatten, nahmen seine Verehrung mit in die Heimat. Ihm zum Dank bauten sie Kirchen und Kapellen, und überall im Abendland entstanden Bruderschaften unter seinem Namen, die Pestkranke pflegten und Gefangene loskauften.

Tat und Opfer dieser Männer waren aus dem Leben ihres heiligen Patrons abgeleitet. Sie kannten ihn nur als Pilger mit Muschelhut, Tasche und Stab, der zu Anfang des vierzehnten Jahrhunderts aus dem alten Montpellier nach Italien gekommen war. Damals war die ganze Lombardei ein einziger Pestfriedhof. Statt aber sofort über die Alpen nach Frankreich zurückzuwandern, erbarmte sich der fremde Pilger des grausigen Elends, holte die Kranken aus den Totenhäusern, labte die verhungernden Kinder und betete um das Leben ihrer sterbenden Mütter. Sein Gebet und Kreuzzeichen hatten eine wunderbare Macht von Gott: Die Kranken erhoben sich zu neuem Leben.

Nun packte die Pest den tapferen Retter selbst. Um nicht die Ansteckung auf andere zu übertragen, schleppte sich Rochus in eine Waldhütte bei Piacenza und lebte von dem Brot, das ihm ein Jagdhund zutrug, bis er wider alle Hoffnung doch gesund wurde. Die Seuche aber hatte ihn so entstellt, dass er bei seiner Heimkehr nach Montpellier als Spion verhaftet und lange Jahre eingekerkert wurde. Er starb um das Jahr 1327, ein Dulder und ein Held, der namenlos vor der Welt blieb, weil er um Gottes Willen die Welt verlassen hatte.

(Nach H. Hümmeler: Helden und Heilige)

 

Das Leben des heiligen Rochus (2)

 

Rochus, Heiliger (16. August, Fulda, Mainz)

In Montpellier Ende des 13. Jahrhunderts geboren, schenkt er nach dem Tode seiner adeligen frommen Eltern 20jährig sein Vermögen den Armen und begibt sich auf Pilgerfahrt nach Rom. Schon unterwegs und auch in Rom nimmt er sich der Pestkranken an, heilt einen Kardinal, bleibt aber arm und ohne Ansehen. Nach dem Tode des Kardinals wird er unterwegs in Piacenza selbst pestkrank, im Krankenhaus (Spital) nicht geduldet und zieht sich in eine Hütte des nahen Waldes zurück. Da erscheint ein Engel zu seiner Pflege, und der Hund eines benachbarten Edelmanns bringt ihm Brot, bis er, genesen, heimzukehren beschließt. Aber in seiner Heimat hält man ihn für einen Spion, man wirft ihn ins Gefängnis, in dem er fünf Jahre, bis zu seinem Tod, bleibt. Jetzt erst wird er an dem kreuzförmigen Muttermal erkannt, das seit seiner Geburt immer größer und schöner geworden ist.

 

Seine Verehrung bürgerte sich in Deutschland seit den Pestnöten vom 15. Jahrhundert an ein. Als Fürbitter wird er aber nicht nur gegen die Pest, sondern auch gegen alle Seuchen angerufen. Krankenhäuser für Pestkranke wurden nach ihm Rochus-Hospital genannt. Ein Teil seiner Gebeine wurde im Jahre 1415 nach Venedig übertragen, wo man für ihn 1485 die Kirche San Rocco erbaute.

Zahlreiche deutsche Darstellungen zeigen ihn vom 15. Jahrhundert an in Pilgertracht mit Hut, Stab, Flasche und Tasche, seine Pestwunde am Oberschenkel durch den zurückgeschlagenen Rock sichtbar gemacht. Ein Engel steht häufig an seiner Seite, ein Hund liegt oft mit oder ohne Brot zu seinen Füßen. -  Beispiele sind die Figur im Schrein des Rochus-Altars der Lorenz-Kirche, Nürnberg, und eine Altarfigur in der Rottweiler Lorenz-Kapelle, um 1500. An der Pestsäule in Wallerstein (1720-25) steht er mit Maria, Sebastian und Antonius von Padua zu Füßen der Dreifaltigkeit.

(nach: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten, S. 494, 495)

Das Leben des heiligen Rochus (3)

 

Der hl. Rochus

Pilgerkleid, Pilgerstab und Kürbisflasche weisen den Heiligen als einen Patron des Unterwegsseins, der Straße aus. Und in der Tat ist der heilige Rochus eine geraume Zeit seines Lebens auf den Straßen der Welt zu Hause gewesen, ein Freund der Natur, der vor allem in Italien „auf der Walz" war. Man zählt ihn zu den 14 Nothelfern.

Auf Bildern befindet sich in Begleitung des heiligen Rochus meist ein Hund, ein treuer Begleiter vor allem in den schweren Jahren seines Lebens.

Der heilige Rochus stammt aus Montpellier, wo er wahrscheinlich 1295 geboren wurde. Nach der Legende entdeckten die Eltern bei seiner Geburt ein rotes Kreuz auf seiner Haut, was als ein besonderes Gnadenzeichen gedeutet wurde. Er verlor früh Vater und Mutter. Auf dem Sterbebett mahnte sein Vater ihn, sich vom Glanz dieser Welt nicht blenden zu lassen, und so verschenkte Rochus sein Vermögen an die Armen und Notleidenden. Er nahm den Stab des Pilgers und überquerte die Alpen Richtung Rom. Nachts schlief er in einfachen Hospizen, sein Brot erbettelte er auf der Straße.

Als Rochus in die Lombardei kam, hörte er vom Schwarzen Tod, der Pest, die schon viele Menschen hinweggerafft hatte. Während die Einwohner der Städte flohen, suchte der heilige Rochus die Kranken auf, pflegte sie, gab ihnen Arznei und wusch ihre Wunden. Überall auf dem Weg nach Rom bot er seine Dienste an, hielt Nachtwachen und betete mit den Sterbenden.

Auf der Rückreise erkrankte er in Piacenza selbst an der Pest. Doch niemand kam, um ihm beizustehen. Im Gegenteil: die Stadtbewohner beschimpften ihn und hätten ihn am liebsten aus der Stadt gejagt. Da schlich Sankt Rochus in den Wald, wo er eine abgelegene Hütte fand. Alleingelassen und einsam lag er dort auf einem Bund Stroh und erwartete sein letztes Stündchen. Doch Gott schickte einen Engel, der seine Wunden pflegte, und jeden Tag erschien ein fremder Hund, der ein Stück Brot im Maul trug. Neben der Hütte entsprang eine Quelle, an der der Kranke seinen quälenden Durst stillen konnte.

Der Hund gehörte einem Edelmann. Dieser wunderte sich, weil das Tier täglich zu einer bestimmten Zeit verschwand. Er folgte ihm und fand den Heiligen fiebernd auf seiner Strohschütte. Darauf nahm er den Kranken mit in sein Haus, versorgte und pflegte ihn, bis er wieder gesund war.

Als der heilige Rochus nach langer Pilgerfahrt wieder zu Hause ankam, erkannten die Menschen ihn nicht, so sehr hatte die Seuche ihn entstellt. Da gerade Krieg herrschte, und man ihn für einen Spion hielt, warf man ihn ins Gefängnis. Fünf Jahre saß er unschuldig im Kerker. Rochus fühlte sein Ende nahen und bat um seelsorglichen Beistand. Der Priester sah, dass die Zelle, in der Rochus lebte, von strahlendem Licht erfüllt war. Er spendete dem Gefangenen die Sakramente. Darauf eilte er zum Stadtrichter, um zu berichten, was er beobachtet hatte. Als in der Stadt bekannt wurde, was der Priester gesehen hatte, eilte jedermann zum Gefängnis. Sankt Rochus lag tot auf dem Boden ausgestreckt und war umgeben von hellem Glanz. Nun erkannte die Menge, dass ein Unschuldiger im Gefängnis gebüßt hatte. Sie bestatteten seine Leiche mit großer Feierlichkeit in der Kirche. Das geschah im Jahre 1327.

Ein Teil der Reliquien des Heiligen wurde 1485 nach Venedig übertragen. Die Verehrung des heiligen Rochus breitete sich rasch aus, vor allem, seit das Konzil von Konstanz seinen Kult offiziell anerkannt hatte. Es bildeten sich Bruderschaften seines Namens, und zahlreiche Klöster und Kirchen, Spitäler und Kapellen erkoren ihn zu ihrem Schutzpatron. Goethe beschrieb einmal das Wallfahrtsfest auf dem Rochusberg bei Bingen. Die Fürbitte des Heiligen wurde angerufen bei Pest, Cholera, Epidemien, Fußleiden, bei Geschwüren und Knieschmerzen, aber auch bei Tollwut, Viehseuchen und allgemeinem Unglück. Sankt Rochus ist Schutzheiliger der Ärzte, vor allem der Chirurgen, der Apotheker, Bauern, Gefangenen und - Totengräber. Sein Fest ist am 16. August.

 

(H. Multhaupt.

in: Der Dom, Nr. 31 5. August 1990, S. 15)

Das Leben des heiligen Rochus (4)

 

DER HEILIGE ROCHUS (SAN ROCCO) (Gedenken: 16. August)

 

Der heilige Rochus ist einer der volkstümlichsten Heiligen und gilt neben dem heiligen Sebastian (20. Januar) als der eigentliche Pestpatron. In einigen Gegenden wird er unter die 14 Nothelfer gezählt. Seine Verehrung fand weiteste Verbreitung: Bruderschaften führen seinen Namen, Bittgänge wurden ihm zu Ehren gehalten, unzählige Male wich auf seine Anrufung die gefürchtete Seuche. Ein Teil seiner Reliquien wurde von Montpellier, wo er 1327 starb, im Jahre 1485 nach Venedig übertragen. Nachdem durch das Konzil von Konstanz sein Kult offiziell von der Kirche anerkannt worden war, entstanden überall ihm geweihte Kirchen, Klöster, Wallfahrtskapellen, Bildsäulen und nach ihm benannte Spitäler.

Der heilige Rochus wird meist zusammen mit dem heiligen Sebastian dargestellt, im Pilgerkleid mit Pilgerstab und Kürbisflasche, auf seine Pestbeule am entblößten Oberschenkel zeigend, neben sich ein Hund mit Brot im Maul. Auch mit einem Engel wird er gezeigt, der eine Arzneibüchse trägt: Pestkranke heilend. Seine Fürbitte ist hilfreich bei Pest, Cholera, Epidemien, Fußleiden, Geschwüren, Knieschmerzen, Tollwut, Viehseuchen und allgemeinem Unglück. Er ist Patron der Ärzte, vor allem der Chirurgen, der Apotheker, Bauern, Gefangenen, Totengräber und anderen.

Zuverlässige Quellen über die Lebensgeschichte des heiligen Rochus sind nicht vorhanden. Die im 15. Jahrhundert entstandene und auf der Überlieferung beruhende Legende hat folgenden Inhalt:

 

LEGENDE

In Frankreich lebte in der Stadt Montpellier ein reicher Herr mit Namen Johannes, der hatte eine Ehefrau, die hieß Liberia. Sie waren lange Zeit kinderlos. Endlich wurde ihr Gebet erhört, und die Frau gebar ihrem Mann einen Sohn, der in der Taufe den Namen Rochus empfing. Das geschah um das Jahr 1295. Auf der Brust des Knaben befand sich ein rotes Kreuz in seiner Haut eingedrückt, was alle als ein besonders Gnadenzeichen ansahen. Das Kind wurde in aller Frömmigkeit erzogen. Rochus hatte jedoch kaum sein 20. Lebensjahr erreicht, da starben ihm nacheinander sein Vater und seine Mutter. Sein Vater  ermahnte ihn auf dem Totenbette, er solle sich nicht blenden lassen vom Glanz dieser Welt und sein Herz nicht an das Geld hängen, das er ihm hinterlasse, sondern allezeit auf jene sehen, die der Unterstützung bedurften und ihnen im Namen Jesu helfen.

Der Jüngling befolgte des Vaters Rat und teilte von seinem reichen Erbe mit vollen Händen aus, bis ihm nichts blieb als ein Rock, ein Pilgerstab und ein Sack. Den nahm er auf die Schultern und zog von hinnen als einfacher Pilgersmann. Er überquerte die Alpen, denn er wollte an den Gräbern der Apostel zu Rom beten. Auf dem Wege erbettelte er sein Brot und nächtigte in den Häusern der Armen. Als er aber in die fruchtbare Ebene der Lombardei herniederstieg, da hörte er, dass in Italien der Schwarze Tod umging und keinen verschonte, der ihm begegnete. Die anderen Pilger, die bei ihm waren, kehrten sogleich voller Schrecken um und entflohen der furchtbaren Seuche. Er aber war angerührt von der Not, die er antraf, und der Worte seines Vaters gedenkend, wandte er sich sogleich denen zu, die seiner Hilfe bedurften. Er besuchte die Häuser der Kranken, ging in die Spitäler und diente den von der Krankheit Befallenen mit all seiner Kraft. Doch auch in Rom wütete die Seuche gar schrecklich; er ließ sich aber nicht abhalten von seinem mitleidigen Tun; er pflegte, reichte Speise und Medizin, wachte in den Nächten bei den Sterbenden und sprach den Ängstlichen Mut zu. Unermüdlich war er bei seinem Liebeswerk, überall brachte er Hilfe und Heilung, Hoffnung und Trost. So erschien er den Unglücklichen wie ein Licht in Ihrer leidvollen Dunkelheit. Auf dem Rückweg gelangte er in die Stadt Piacenza. Dort blieb er, um auch hier die Pestkranken zu pflegen. Aber nun wurde er selbst vom Pestpfeil getroffen! Sein Leib bedeckte sich mit hässlichen Beulen, er litt schreckliche Schmerzen und Todesangst, er erfuhr also all das an sich selbst, was er vor Augen gehabt. Doch fand sich niemand, der ihn pflegen wollte. Ja, die Einwohner der Stadt beschimpften den fremden Pilgersmann und verfolgten ihn mit ihrem Haß! Um niemanden zur Last zu fallen und keinen anzustecken, schlich Rochus sich geduldig aus der Stadt und schleppte sich mühselig in eine einsam gelegene Holzhütte mitten im Walde. Dort legte er sich nieder und empfahl sich Gott. Doch siehe, es trat ein Engel zu ihm, der seine Wunden pflegte, und es entsprang ein Brunnen, daran der Kranke sich laben konnte. Es ereignete sich aber, dass an jedem Tage ein fremder Jagdhund zu ihm kam, der ein Brot im Maule trug, womit Rochus sich nährte. Der Junker aber, dem dem der Hund gehörte, wurde durch das seltsame Verhalten des Tieres aufmerksam auf den Kranken in der Hütte. Er nahm sich vor, ihn nicht eher zu verlassen, bis er genesen sei und versorgte ihn zum besten. Als Rochus wieder zu Kräften kam, begab er sich zusammen mit dem Edelmann in die Stadt zurück und heilte dort viele, bis die Gewalt der Pest gebrochen war.

Danach machte er sich abermals auf den Weg und gelangte schließlich in seine Heimatstadt. Aber die entsetzliche Krankheit und die Strapazen hatten ihn so verunstaltet, dass ihn keiner mehr erkannte. Wegen der Kriegszeiten hielt man ihn für einen Spion und warf ihn in den Kerker. Rochus dankte Gott, dass er ihn allerlei Unglück erfahren ließ, und brachte geduldig fünf ganze Jahre im Kerker zu. Als er merkte, dass sein Ende nahe sei, bat er um den Beistand eines Priesters. Der Priester erstaunte sehr, als er das finstere Loch von einem hellstrahlenden Licht erfüllt fand. Erschrocken eilte er, nachdem er dem Heiligen die letzten Tröstungen erteilt hatte, zum Stadtrichter und sagte ihm alles, was ihm widerfahren war. Als dies in der Stadt bekannt wurde, liefen alle nach dem Turm, aber sie fanden den Heiligen tot auf dem Boden ausgestreckt und von hellem Glanze umgeben. Da wussten sie, dass sie einen Unschuldigen bezichtigt hatten, jedoch erst nachdem man dem Toten die Brust entblößt hatte, fand man das kreuzförmige Mal und erkannte nun in dem Fremdling den Sohn des Herrn Johannes. Darauf wurde er mit großem Gepränge in der Kirche bestattet.

 

(nach: Erna und Hans Melchers: Das große Buche der Heiligen, München 1979, S. 533 bis 535.)

 

Das Leben des heiligen Rochus (5)

 

Rochus

Der (nicht kanonisierte) heilige Rochus gilt als Patron gegen Seuchen (vor allem Pest und Cholera) oder als Schutzheiliger der Chirurgen, auch der Tischler und wird häufig den 14 Nothelfern zugerechnet.

Die Legende berichtet, dass der allzeit mildtätige Rochus (um 1295 Montpellier - 1327 Montpellier) während einer Pilgerfahrt nach Rom Pestkranke gepflegt habe und, auf der Rückreise selbst an Pest erkrankt, auf wunderbare Weise geheilt worden sei.

Seit die angeblichen Reliquien des historisch nicht gesicherten Rochus 1485 von Montpellier nach Venedig überführt wurden, verbreitete sich die Rochusverehrung in ganz Mitteleuropa. Der im ausgehenden Mittelalter außerordentlich populäre Volksheilige, dessen Kult durch Prozessionen, Kapellen, Bilder, Gottesdienste und Pflegeanstalten besonders von den Franziskanern betrieben wurde, wird auf Bildern häufig als von der Pest befallener Pilger gezeigt, der von einem Engel gepflegt wird.

(Tag 16. oder 17. August.)

Lexikon 2000, Band 8, Weinheim 1983, S. 4117)